*Neuerscheinung *

"... und sie macht, was sie will!"

ISBN: 978-3-748583-18-9

€ 12,99

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Angaben ohne Gewähr, Irrtümer vorbehalten

 

1. Kapitel

 

Ein Blick auf das Haus, das die letzten zwanzig Jahre ihr Heim gewesen war. In dem sie ihre Kinder großgezogen hatten.

Ein Blick zu Andreas, der mit verschränkten Armen in der Tür stand. Der sie beobachtete, wie sie den letzten Karton in den Kofferraum stellte, als wolle er sichergehen, dass sie wirklich verschwand.

Ein Blick hinauf zum Schlafzimmerfenster, wo, verborgen hinter der Gardine, Katja stand.

Zu dem Zimmer, in dem sie all die Jahre neben ihrem Mann gelegen hatte, bis er sie gegen seine vollbusige, blonde Sekretärin ausgetauscht hatte.

Wie oft hatte Christine die Absurdität dieser, ihrer, klischeehaften Geschichte hysterisch auflachen lassen?

Mittfünfziger verliebt sich in seine mehr als zwanzig Jahre jüngere Sekretärin und verlässt Ehefrau, hätte die Schlagzeile lauten können. Nur hatte er sie nicht verlassen, sondern sie gebeten auszuziehen, weil Katja das Haus doch liebte.

Christine schloss den Kofferraum und ging zur Fahrertür. Andreas hob die Hand und winkte ihr zum Abschied. Sie erwiderte es nicht, stieg ein und schmiss die Tür, stärker als beabsichtigt, zu.

Sie startete den Motor und ließ ihr Leben hinter sich.

 

***

 

Christine fuhr durch die Stadt und auf die A 111 Richtung Hamburg. Zwischendurch hatte sie bei einem Bäcker gehalten, sich einen Caffé Latte und zwei belegte Brötchen gekauft. Eine Tüte Gummibärchen und eine große Tafel Schokolade lagen auf dem Beifahrersitz. Seelennahrung!

Sie schaltete das Radio an und suchte einen anderen Sender. Einen, der aktuelle Musik spielte, nicht den üblichen Jazzsender, den Andreas bevorzugte. Nicht, dass er oft mit ihrem kleinen Citröen gefahren wäre, er nutzte die Limousine und trotzdem hatte sie sich seinen Vorlieben angepasst.

Das konnte jetzt Katja machen, obwohl es in seiner neuen Beziehung wahrscheinlich andersherum war.

 

Anfangs hatte Christine kleine Veränderungen an ihrem Mann festgestellt; ein neues After Shave, ein neuer Haarschnitt, keine Krawatte, wenn er in die Firma fuhr, außer er hatte wichtige Kundenmeetings.

Er wolle nicht mehr so steif wirken, hatte er erklärt. Mit fortgeschrittenem Alter hatte er entdeckt, dass steif nicht gut, locker und cool, aber total angesagt war.

Midlifecrisis, hatten ihre Freundinnen gesagt und gelächelt.

Endlich was verändert, hatte ihre Tochter Rebecka gesagt und gefragt, warum sie es Papa nicht gönnte.

Dennis hatte sich herausgehalten. Er war der zurückhaltendere ihrer Kinder.

Als Andreas Golf- gegen Tennisschläger eingetauscht hatte, war Christine verwundert gewesen.

Lange hatte sie ihn zu überreden versucht, gemeinsam einem Club beizutreten, um mehr gemeinsame Zeit zu verbringen. Er hasse diesen Sport, hatte sie zu hören bekommen und es aufgegeben.

Also war sie zum Yoga gegangen und Andreas hatte kleine weiße Bälle in Löchern versenkt, bis vor einem Jahr.

 

Ja sie hätte es merken können, hatte sie aber nicht. Nicht, bis er ihr bei ihrem Lieblingsitaliener gegenüber gesessen, ihre Hände gegriffen und sie gebeten hatte, auszuziehen.

Christine stiegen die Tränen in die Augen. Sie blinzelte ein paar Mal. Die Tränen der Trauer waren versiegt. Es waren Tränen der Wut.

Katja mag das Haus doch so gerne.

Und Christine hatte das Haus mit ausgesucht, es eingerichtet, es ordentlich gehalten, den Garten gepflegt, wer würde auf die Idee kommen, ihr könne auch etwas daran liegen?

Der Latte war alle, das Mineralwasser fast und sie musste auf die Toilette. Christine fuhr auf den nächsten Rastplatz.

Siebzig Cent wollten sie haben, damit sie ihrer Blase Erleichterung verschaffen konnte. Dafür gab es einen Wertbon in Höhe von fünfzig Cent, den man im Shop einlösen konnte.

Ein Blick in den Spiegel; besser nicht. Vom Weinen gerötete Augen waren nicht das, was sie sehen wollte. Sie trocknete sich die Hände und schob die Sonnenbrille auf die Nase.

Einen neuen Kaffee und eine Flasche Wasser für die Weiterfahrt in den Händen, ging sie zurück zum Auto.

 

Sie überquerte die Fehmarnsundbrücke früher als gedacht. Am Fährhafen angekommen, ging alles ganz schnell. Sie stand innerhalb weniger Minuten an Bord der Fähre nach Rødby.

Während der Überfahrt musste das Autodeck verlassen werden. Es war Christine nur recht. Sie liebte das Meer, konnte stundenlang aufs Wasser schauen.

Sie suchte sich einen Platz an der Reling und sah zu, wie Deutschland sich entfernte und Dänemark näher kam.

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