"Die Grauen Krieger Teil III: Offenbarungen"

ISBN: 978-3-7375-9611-4

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Prolog

 

Er saß in der Vorlesung, aber er konnte dem Dozenten nicht folgen. Zu vieles war in seinem Kopf, was nicht dorthin gehörte. Ein Murmeln und Rauschen, Trauer, Wut, Freude, aber es waren nicht sein Murmeln, nicht seine Trauer oder Wut oder Freude. Er schloss kurz die Augen in der Hoffnung Ruhe zu finden, aber das war ein Fehler und er bereute sofort es getan zu haben.

Anfangs hatte er nur geträumt. Er hatte diese furchtbaren Bilder in seinen Träumen gesehen und sie waren verschwunden, wenn er aufgewacht war. Im Laufe der Zeit war es schlimmer geworden. Er träumte und wenn er aufwachte, lag er nicht in seinem Bett, sondern fand sich an Orten in Berlin wieder, ohne zu wissen, wie er dorthin gekommen war. Aber das war eigentlich nicht das Schlimmste, das Schlimmste an seiner Situation war, dass er an Orten wach wurde, an denen grausame Morde geschehen waren. Mit Blut beschmiert starrte er auf die toten Körper zu seinen Füßen. Bisher war es ihm immer gelungen unbehelligt in seine Wohnung zurückzukehren, nur um dann wenig später in den Nachrichten von einer weiteren Leiche zu hören, die gefunden worden war. Er war sich sicher, dass er diese Morde nicht begangen hatte, dazu wäre er gar nicht fähig gewesen, aber er hatte auch keine Erklärung für das, was geschah. Und wenn er die Augen schloss, dann sah er bruchstückhaft, wie diese armen Menschen getötet wurden. Er sah es nicht durch seine Augen, er sah es durch die Augen des Mörders.

 

Dass die Vorlesung zu Ende war, merkte er nur daran, dass die anderen Studenten ihre Sachen packten und den Raum verließen.

Auch er machte sich daran Stifte und Unterlagen in seinen Rucksack zu stopfen. Er wollte hier raus, musste hier weg.

Beim Verlassen des Hörsaals stieß er mit einer Mitstudentin zusammen. Er murmelte eine Entschuldigung und wollte weiter.

„Hey“, rief sie ihm hinterher, „ist alles O.K. mit dir?“

Er blieb stehen und drehte sich um. Julia, sie war erst seit diesem Semester hier auf der Uni. Sie hatten sich ein paar Mal miteinander unterhalten, sie war nett, er mochte sie.

Er nickte nur und lief weiter.

 

 

1. Donnerstag

 

„Das ist es, es ist perfekt!“ Julia hüpfte aufgeregt vor Natascha herum, die sich im Spiegel begutachtete.

„Ich weiß nicht ...“

„Tascha ich bitte dich, du siehst zauberhaft aus. Wie viele Kleider willst du noch anprobieren?“ Natascha zuckte mit den Schultern und betrachtete sich erneut.

„Vielleicht ein wenig gewagt?“

Julia würde gleich die Geduld verlieren. Zwei Stunden waren sie nun schon unterwegs.

Den Ku´Damm rauf und runter um ein Kleid zu finden, dass passend war, um es am Samstag zur Feier des 65. Geburtstages von Richard von Lahn zu tragen, zu dem sie und Tom eingeladen waren.

Julia runzelte die Stirn. „Du siehst zauberhaft darin aus, basta!“

Wieder schaute Tascha in den Spiegel.

Das schwarze Abendkleid hatte dünne Spaghettiträger und war an sich sehr schlicht gehalten.

Es endete kurz über den Knien und war aus einem leichten angenehmen Stoff.

Der eigentliche Clou an dem Ding aber war die Korsage und die Schnürung am Rücken, die ihre schmale Taille unglaublich betonte.

„Süße, du kannst es tragen und nein, es ist nicht zu gewagt, ganz ehrlich. Und das sage ich nicht weil ich keine Lust mehr habe mit dir durch die Läden zu ziehen, sondern weil es das Kleid für dich ist.“

Julia hatte Recht, Natascha fühlte sich gut in diesem Kleid und es war preislich auch absolut O.K.

„Ich nehms.“

Toms Schwester klatschte erfreut in die Hände.

„Super! Dann schnell zur Kasse, bevor du es dir doch noch anders überlegst und dann möchte ich noch gerne mit dir einen Kaffee trinken gehen.“

 

Als die beiden Frauen das große Kaufhaus verließen, umfing sie eine eisige Dezemberkälte und Natascha fischte nach ihren Handschuhen, die sie in die Manteltasche gesteckt hatte.

„Entschuldigung?“ Eine Männerstimme ließ sie in der Bewegung innehalten. „Ich glaube den haben sie eben verloren.“

Sie drehte sich um und ein Mann hielt ihr ihren Handschuh entgegen.

Tascha hob ihren Blick und schaute in zwei unglaublich wunderschöne grüne Augen.

Sekunden, Minuten, vielleicht sogar Stunden schienen zu vergehen, sie war nicht fähig sich zu rühren. Sie starrte den Mann einfach nur an und er sie.

Ihr Innerstes schien nach Außen gekehrt zu werden, ihr wurde heiß und kalt zugleich.

Sie hörte die Geräusche der belebten Straße nicht mehr und sie drohte den Boden unter den Füßen zu verlieren.

 

Und dann war da Julias Stimme, die sie zurückholte.

„Natascha? Natascha! Hallo?!“

Tascha nahm den Handschuh ohne den Blick von dem Mann abzuwenden und ohne etwas zu sagen und auch der Mann schwieg.

Sie spürte, wie Julia sie am Arm griff und versuchte sie wegzuziehen.

„Haben Sie vielen Dank.“ Julia hatte das Reden für sie übernommen, dann zog sie sie mit sich.

Als sie ein paar Schritte gegangen waren, stellte Julia amüsiert fest: „Also er sah verdammt gut aus aber du warst ja wie paralysiert von ihm.“

Tascha konnte nur mit den Schultern zucken. Sie drehte sich noch einmal um und schaute zu der Stelle, an der sie den Mann hatten stehen lassen, er war verschwunden.